Die Temperatur der Architektur

 

Titel: Die Temperatur der Architektur
Verlag: Birkhäuser Verlag GmbH
Herausgeber: Dietmar Eberle und Florian Aicher

Das Buch zum gebauten Manifest eines neuen Architekturverständnisses


„Ich will selbst über das Verhältnis zu meiner Umgebung bestimmen.“  Dieser Satz Dietmar Eberles leitet die gerade bei Birkhäuser erschienene Publikation zu einem der meistbeachteten Neubauten im deutschsprachigen Raum ein. Das 2013 fertig gestellte Bürogebäude be 2226 von baumschlager eberle im österreichischen Lustenau ist ein Befreiungsschlag – der Befreiungsschlag eines Architekten gegen eine herrschende Tendenz, in der das Bauen immer mehr zu einer Domäne des „Expertentums“ und der „technischen Exzentrik“ verkümmert. Eberles Gebäude ist ein „Skandal“, wie Mitherausgeber Florian Aicher schreibt, weil es „auf alles, was uns als unverzichtbar aufgeschwatzt wird, verzichtet.“

Dem Verzicht auf Heizung, Lüftung und Klimatisierung sowie auf jegliche technische Ausstattung, die über ein Mindestmaß hinausgeht, wird ein Reichtum an baukünstlerischeren Qualitäten gegenübergestellt: Hohe Räume, durch großformatige Fenster mit natürlichem Licht üppig ausgeleuchtet, eine großzügige Raumaufteilung, hochwertige, regional gewonnene und verarbeitete Materialien sowie ein sorgfältiger, aber nie pedantischer Umgang mit den Bauelementen schaffen einen alle Sinne ansprechenden baulichen Rahmen, der Umgebung wie Inhalt aufwertet, ohne dass sich der Nutzer als Fremdkörper fühlen müsste.

Das Buch versteht es, die vielfältigen Ebenen aufzunehmen und zu vermitteln, auf denen das Gebäude mit den unterschiedlichen Nutzern sowie mit seiner Umwelt in Beziehung tritt: So führt die Fotografin Claudia Klein den Leser zunächst mit einem doppelseitig bedruckten Fotoessay atmosphärisch in die Umgebung des neuen Bürogebäudes ein – und am Ende mit Detailaufnahmen unterschiedlicher Materialitäten wieder hinaus. Neben Dietmar Steiner stellt mit Kristin Feireiss eine frühe Begleiterin des Projekts ihren persönlichen Blick auf diese „realisierte Utopie“ vor, wie sie das Haus mit Bezug auf Heinrich Klotz nennt.

Ergänzend zu „energetischer Konzeption“, „Steuerung“ sowie „Plänen und technischen Da-ten“ – alles eigene Kapitel, von den beteiligten Experten verfasst – dokumentieren der Gale-rist Wolfgang Häusler beziehungsweise die von ihm vertretenen Künstler ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Gebäude als Kontext eigener Ausstellungen. Ein weiterer Bild-essay – fotografiert von Eduard Hueber, präsentiert auf hochglänzendem Papier  – widmet sich der „Architektur in Bildern“. Aufsätze zu „Gesundheitlichen Aspekten“, „Guter Luft und Behaglichkeit“ oder „Baustoff, Bauart, Baustelle“ zeigen das breite Themenspektrum der inhaltlichen Auseinandersetzung im Rahmen von Konzeption, Realisierung und Nutzungsanalyse von be 2226 auf.
 
So kann das Buch als inhaltliche Vertiefung und konzeptuelle Erweiterung eines Projekts verstanden werden, das als gebautes Manifest ein neues Verständnis von Architektur proklamiert, in dem der Mensch – als Nutzer ebenso wie als Planer – wieder im Mittelpunkt steht. Oder, wie es Dietmar Steiner ausdrückt: „Die hier angewendete neue Philosophie der energetischen Planung gibt der Architektur ihre Würde zurück.“

 

Herausgeber: Dietmar Eberle und Florian Aicher
be baumschlager eberle 2226 – die Temperatur der Architektur / The Temperature of Architecture
Portrait eines energieoptimierten Hauses / Portrait of an Energy-Optimized House
2016
gebunden, 192 Seiten
zahlreiche Farbfotos und Grafiken
ISBN: 978-3-0356-0381-1
Verlag Birkhäuser, Basel